Ausgewählt und zusammengestellt von
Rudolf Koller
Obertägige Bodendenkmäler
im Landkreis Erding
Bei den Viereckschanzen handelt es sich um palisadenumfriedete Wall-/Grabenanlagen
des zweiten und ersten Jahrhunderts v.Chr. Sie haben im Normalfall die Form eines Quadrats
mit Seitenlängen zwischen 80 und 130 m , bisweilen auch mit ungleicher Seitenlänge, so dass
fast ein Rechteck entstanden ist.
Gegen Ende des 19. Jh´s zunächst als Römerschanzen bezeichnet, gingen verschiedene
Interpretationen über Jahrzehnte wechselweise von Kultstätten, befestigten Gutshöfen oder
Verteidigungsanlagen aus. In den letzten Jahren zieht die Forschung den Aspekt, dass es
sich wohl um, in größere Siedlungsgebiete eingebundene Bezirke, eine Art Zentralörtlichkeit
mit Mittelpunktsfunktion handelt, verstärkt in Betracht. Vermutlich war ein Teil der Schanzen
von einer gehobenen Klientel, einer Art „Landadel“, bewohnt und hatte eine Innenbebauung aus repräsentativen Großbauten, in der Art
von Gutshöfen. Sie erfüllten sowohl Funktionen in der alltäglichen bäuerlichen Lebens- und Arbeitswelt der Kelten (z.B. als Sammelplatz für
Ernteerträge) und dienten möglicherweise auch als Versammlungsort für profane oder kultische Zwecke. Als reine Kultstätten
oder Verteidigungsanlagen werden sie aufgrund heutiger Sichtweisen der Wissenschaft nicht mehr gesehen.
Fünf, von etwa dreißig im Landkreis bekannten Anlagen, sind noch obertägig erhalten.